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Auf meinen Recherchen über Firmen und Köpfe in Mainz und Rheinhessen google ich unter anderem das Stichwort „Blockchain Mainz“. Hierbei stolperte ich über verschiedenen Beiträge der Sparkasse Mainz, direkt in den top 10 Suchergebnissen von Google. Nun gut, dachte ich mir. Dann widme ich diesen Beitrag der Sparkasse Mainz.

Die Bierdeckel Metapher

Meine Sparkasse Rubrik Wissenswertes

Auf der Webseite der Sparkasse Mainz findest du unter der Rubrik Wissenswertes aktuell (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines Artikels) vier Beiträge zum Thema Blockchain und Distributed Ledger. Der erste Artikel erschien am 6. Oktober 2017 mit dem Titel Die Blockchain auf dem Bierdeckel – ein Erklärungsversuch. Bevor ich diesen Erklärungsversuch kommentiere erstmal mein Chapeau an die Sparkasse Mainz. Es ist notwendig, dass Aufklärung zu diesem doch etwas technischen Thema betrieben wird. Herr Daniel Hörner (Kommunikationsreferent der Sparkasse Mainz) nimmt sich die Mühe, um ein technisch-lastiges Thema in eine leicht verdauliche Kost für den Mittelstand und Verbraucher zu verarbeiten. „…Immer auf der Suche nach aktuellen Verbrauchertipps für Sie.„, wir können der Sparkasse Mainz zustimmen, dass Blockchain & Co. ein sehr aktuelles Thema ist und sicherlich den Verbrauchern hilft ein besseres Verständnis für die Sache zu erhalten.

„Manchmal hält revolutionäre Technologie Einzug in unser Leben, ohne dass wir es mitbekommen.“ 

Ja sie ist revolutionär, jedoch ist sie noch nicht im Leben von uns eingetroffen. Wir verifizieren unsere Identität noch nicht auf einem Distributed Ledger. Wir bezahlen unsere Einkäufe in Deutschland noch nicht mit Krypto-Währungen. Bitcoin ist noch kein offizielles Zahlungsmittel im Lande. Die Gesetzesgrundlagen sind noch unklar und ist Neuland für die deutsche Legislative. Den einzigen Einzug den 99,99% der Bevölkerung mitbekommt steht im Wohnzimmer und nennt sich TV, Mainstream-Media, von halbwissenden Journalisten oder Beratern. Ich spreche hier nicht von base85, CCN, btc-echo, tangleblog oder andere dedizierten online Quellen. Es wäre wünschenswert, dass die genannten Punkte bereits ein Teil meines Lebens wären. Kein Bargeld mehr, kein Papierkram mehr bei Behördengängen und Tanken über den IOTA-Tangle wäre natürlich das i-Tüpfelchen.

Die Metapher beschreibt die Blockchain-Technologie mit Hilfe eines Kneipiers, Bierdeckeln und Gästen. Metaphern sind gut, um komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen, jedoch sollte eine essentielle W-Frage beantwortet werden. Warum? Warum gibt es die Blockchain und warum ist diese so erfolgreich? Verständnis schafft man nur, wenn man die Warum Frage beantwortet. Zu oft wird die Was-Frage beantwortet. Was ist die Blockchain? Das kann im zweiten oder dritten Schritt passieren.

Ich vermisse in dem Artikel das Stichwort „Vertrauen“. Als Gast vertraue ich darauf, dass der Kneipenbesitzer das richtige Getränk und die richtige Anzahl in die Kasse eingibt. Es reicht nicht aus, nur einen Strich auf den Bierdeckel zu setzen. Ich vertraue darauf, dass meine Trink-Kumpanen, keinen Strich hinzufügt und mir etwas unterjubelt, das ich gar nicht getrunken habe. Und ich vertraue darauf, dass der Kneipier die Gäste im erhöhtem alkoholisiertem Zustand meine Geldbörse nicht plündert. Alles Szenarien, die wir in der Realwirtschaft kennen. Aus diesem Grund gibt es Notare, Anwälte, Zwischenhändler und Banken, denen wir vertrauen.

In einer Public Blockchain geht es um vertrauenslose Transaktionen. Du vertraust nicht deinem Gegenüber. Du vertraust nicht einem Intermediär (einem Notar, einer Bank oder sonstigen dritten Partei). Dem einzigen den du vertrauen musst, ist dem Quellcode und dem dezentralen Computer-Netwerk. Wenn du ein versierter Programmierer bist, könntest du den Open Source Quellcode einsehen. Theoretisch möglich, praktisch vielleicht zu aufwendig.

Am Ende verweist der Artikel der Sparkasse Mainz auf ein Interview mit Herrn Joachim Erdle (Leiter Corporate Finance der LBBW) inklusive einem Image-Youtube Video über die Zusammenarbeit der LBBW und der Daimler AG in einem Blockchain-Projekt (Prototyp). Schau selbst.

Was denkst du? Drei Stichworte Private Blockchain, professionelle Teilnehmer und hohe Qualitätsansprüche. Jeder Blockchain-Enthusiast und Idealist wie Andreas Antonoplous würden jetzt aufspringen und laut aufschreien! Drei Eigenschaften, die ein Intermediär nutzt, um seine Dienstleistung und Daseins-Berechtigung an den Endverbraucher zu verkaufen. Eigenschaften, die eigentlich nichts mit den Visionen von Bitcoin zu tun haben. Positiv ist, Unternehmen setzen sich mit der Technologie aus, um Vorteile für Ihre Dienstleistungen zu nutzen. Ob diese Vorteile auch auf den Verbraucher umgelegt werden? Ich hoffe es ist nicht nur ein Marketing-Hülle, die als Aufmerksamkeitsmagnet genutzt wird, sondern solche Projekte wirklich genutzt werden um bessere Dienstleistungen für den Verbraucher zu schaffen.

Die Schweine Metapher

Auch als erstes Kreditinstitut Rheinhessens finden wir dieses Thema spannend und möchten eine kleine Einführung zu Ether, IOTA, Ripple & Co. geben.

Nach dem Erklärungsversuch, kommen wir zu einer „kleinen“ Einführung. Nach einer kurzen Abhandlung des Barter-Geschäftes als Metapher von Schweine- und Ziegenhandel geht der Autor kurz auf Vertrauen ein und auf die Frage „Warum“ ein. Mein Kritikpunkt im ersten Beitrag wird im zweiten Beitrag teilweise entkräftet.

Verfechter von Kryptowährungen bemängeln zudem, dass bei Transaktionen keine Übertragung der Geldwerte auf digitalem Weg direkt zwischen zwei Parteien möglich sei – dazu sind als vermittelnde Instanz bis heute Banken nötig. Die Idee hinter Kryptowährungen ist, von diesen Gegebenheiten unabhängige Währungen zu erschaffen.

Warum schreibt der Autor im Konjunktiv „…dass bei Transaktionen keine Übertragung der Geldwerte auf digitalem Weg direkt zwischen zwei Parteien möglich sei.“ Sind bei Krypto-Währungen Peer-2-Peer Transaktionen nicht möglich? Wieso schreiben er in Annahmen? Gerne kann ich Herrn Hörner persönlich demonstrieren, wie ich ihnen über myetherwallet oder einem Ledger Nano S eine P2P-Transaktion durchführe. Eine Idee sind Krypto-Währungen schon lange nicht mehr. Schauen wir uns auf die Liste der Länder, die Bitcoin als legal oder offizielles Zahlungsmittel erlauben. Diese Liste ist ein Indiz, dass wir nach 10 Jahren schon lange von einer Idee weit entfernt sind.

Wer sich an der Berechnung der Verschlüsselung der Blockchain beteiligt, kann als Belohnung dafür Coins der entsprechenden Währung erhalten.

Die Teilnehmer des Netzwerkes mit einem „Mining“ Status werden nicht für die Verschlüsselung belohnt, sondern müssen einen Schlüssel per Brut-Force raten. Transaktionen und Blöcke werden von jedem Full-Node verschlüsselt. Für diese Arbeit gibt es keine Belohnung.

Anschließend können Sie Ihre Coins online, oder noch besser, mit Hilfe einer Software („Wallet“ genannt) auf Ihrem Computer aufbewahren. Am sichersten sind sogenannte „Offline-Wallets“, mit denen Sie die Coins ohne eine Internetverbindung aufbewahren, z.B. auf einer Art USB-Stick.

Ein schöner Gedanken die „Coins“ physikalisch zu besitzen. Jedoch oft misverstanden. Für den Endverbraucher vielleicht verständlicher und wünschenswerter. Vielleicht kann man die Coins in die Sparsocke stecken und unter die Matratze verstecken? Der Privatschlüssel ist hier das Stichwort. Wie ein Schlüssel zu einem Safe, haben Sie Zugriff auf Ihre Coins oder Tokens. Nur steht der Safe nicht bei dir im Zimmer sondern ist eben „dezentral“. Nur mit diesem Schlüssel hast du die Berechtigung auf „Coins“ in der Blockchain zuzugreifen.

Dass der Bio-Gemüsehändler nun nicht fortlaufend seine Bezahlmöglichkeiten an den aktuellen Bestand an Kryptowährungen anpasst, wundert daher wohl niemanden – sonst würde sein Gemüse bald nur noch als Schweinefutter taugen…

Korrekt, aber dafür geben sie Herr Hörner Verbrauchertipps. Welche Krypto-Währungen sind stabil und verschwinden nicht in den nächsten 5 Jahren? Es gibt in Australien Imbissbuden-Besitzer, die Krypto-Währungen akzeptieren. In Japan gibt es Sushirestaurants. Oder schauen wir uns doch wieder eine Liste an Unternehmen an, die Krypto-Währungen als Zahlungsmittel akzeptieren.

Wer also mit dem Gedanken spielt, sein mühsam Erspartes in eine Kryptowährung zu investieren, der sollte sich überlegen, was ein Totalverlust für ihn bedeutet. 

Korrekt. Der Handel mit Krypto-Währung ist riskant. Das Investment in Krypto-Währung ist ebenfalls riskant. Ist der allgemeine Handel mit Devisen oder Investment in Fonds und Aktienmärkten nicht generell risikoreich? Wer sagt, denn, dass man all sein Hab und Gut anlegen muss? Angstgefühle schüren hilft bei Aufklärung nicht. Eine Einführung zu einem Thema zeigt Vor- und Nachteile. Bisher lese ich eher Nachteile in den Artikeln. Wenn die Sie Dogecoin als Beispiel eines sinnfreien Coins nehmen, dann schauen wir uns bitte doch nochmal auf die Definition von Geld. Sobald Menschen ein Ding als Zahlungsmittel anerkennen, dann ist es als Geld anzusehen. Dass Dogecoin als Fundraising-Mittel genutzt wird, um zum Beispiel die Teilnahme der Jamaica Bob-Manschaft an den olympischen Spielen zu finanzieren, gibt dem Coin Sinn für Zahler und Empfänger und hat somit Anspruch von Geld. Da Dogecoin auf einem Sekundär-Markt gehandelt wird, zeigt, dass es einen Wert hat für Verkäufer und Käufer.

Die Ripple-Welle Metapher

Welle

Was ist denn besonders an der Ripple-Welle? Was ist innovativ an der Technologie? Ripple nutzt die Welle von Blockchain und Bitcoin, um die eigene Technologie Banken zu vermarkten. Die Technologie von Ripple nutzt einen Distributed Ledger (Konten in einer verteilten Datenbank auf verschierenden Ripple-Servern). Es handelt sich eher um eine Zahlungsprotokoll als eine Krypto-Währung. Die eigenen Krypto-Währung XRP soll als „universal“ Medium dienen, um andere Dinge zu repräsentieren wie Schuldschein, andere Währungen wie dem Dollar oder EUR aber auch andere Krypto-Währungen.

Ripple ist ein Partner statt Rivale? Eine Technologie ist kein Rivale. Hinter Blockchain oder Bitcoin steht keine Organisation, die eine Strategie hat Banken nieder zuwerfen. Es sind Startups und andere Technologie-Unternehmen, die die Technolgie nutzen, um den bestehenden Finanzmarkt aufzurütteln. Doch es ist Ripple, die mit SWIFT rivalisiert. Ripple möchte das Standard-Zahlungsprotokoll zwischen Banken werden. Nur wird hier nicht die Krypto-Währung genutzt sondern eigens entwickelte Produkte wie xCurrent, xRapid und xVia. Transaktionen zwischen Banken nutzen kein XRP!

Ja, Ripple hat ein reales Produkt. Aber auch andere Blockchain-Tech Unternehmen haben ein reales Produkt. Ist Ethereum kein Produkt? Ist Enigma kein Produkt? Ripple hat verglichen zu den noch jungen Blockchain-Unternehmen etwas mehr Zeit gehabt. Nachdem Ryan Fugger 2004 mit der Entwicklung startete und 2012 gemeinsam mit JedMcCaleb und Chris Larsen durchstartete, gab es ein Produkt, welches sie dann weiter entwickelten. 6 Jahre sind eine lange Zeit in der Krypto-Welt. Die meisten Krypto-Währungen haben gerade mal 2-3 Jahre hinter sich. Was werden wir in 4 Jahren sehen? Ein reales Produkt ist ein Produkt, das von Menschen und Organisationen genutzt werden. Und ich glaube, es gibt genügend reale Beispiele, die zeigen, dass diese Blockchain-Technologie bereits genutzt werden.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied zu Kryptowährungen wie Bitcoin. Alle Einheiten von XRP (100 Milliarden) wurden mit Entstehung der Kryptowährung geschaffen. 80 Milliarden wurden an die gewinnorientierte Gesellschaft Ripple Labs übertragen, welche davon wiederum 55 Milliarden an die Nutzer ausgibt.

  1. Ripple agiert nach dieser Aussage als Zentralbank? Einer globalen Zentralbank?
  2. Quellen sagen aus, dass nicht alle 55 Milliarden an Nutzer ausgegeben wurden. Aus diesem Grund wurde diese Summe in einen Escrow-Service geschoben, um Investoren zu beruhigen.

Die Effi Briest Erzählung

Es riecht nach Idylle in der Schweizer Voralpenlandschaft. An die Ufer des Zugersees und an die Hänge des Zugerbergs schmiegt sich die 30.000-Einwohner-Stadt Zug. Am Horizont zeigen sich die Berge der Alpen mit ihren beeindruckenden Gipfeln, weiße Spitzen ragen selbst im Sommer in den Himmel.

Die Revolution aus dem Äther – Eine Erzählung aus der Beobachter-Perspektive. Es ist schön zu lesen und weckt meine Erinnerungen aus dem Deutsch-Grundkurs. Effi war auch ein Revolutionärin (und zufälligerweise auch 17 Jahre alt wie Vitalik, der im gleichen Alter Bitcoin entdeckte 😉 ) und hat den Status Quo durch eine Liebesbeziehung gebrochen. Die Story von Vitalik Buterin ist interessant, ob er ein Wunderkind ist, bezweifle ich, begabt scheint er laut Wikipedia zu sein. Er hat das Prinzip von Bitcoin, Smart Contracts von Nick Szabo und virtueller Maschinen kombiniert. Hinzuzufügen, wäre dass er Ethereum nicht alleine entwickelt hat sondern Mitgründer hatte. Über die Technik und die Antwort auf die Fragestellung „Warum Etherum so interessant ist und welches Problem löst es?“ hätte ich mir mehr Inhalt vom Autor gewünscht. Warum ist die Ethereum ein Sakrileg und was ist daran wirklich so revolutionär? Die Vertrauensfrage wurde bei Bitcoin ebenfalls gelöst. Eine Metapher wie in den vorherigen Artikeln wäre hilfreich gewesen.

Fazit

Der Versuch Krypto-Währungen und Blockchain zu erklären ist teilweise geglückt. Sachlich ist hier und da nachzubessern. Gerade da das Ziel der Beiträge sein sollte, Verbrauchern über die Blockchain-Technik aufzuklären. Anstatt ein Projekt der LBBW zu bewerben, welches sich nicht um ein aktives Projekt handelt sondern um ein Prototyp, wäre mehr Inhalt zu der Technik und mehr konkrete Beispiele wünschenswert gewesen. Es ist gut zu sehen, dass in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, Menschen über Blockchain berichten, um hier Aufklärung zu betreiben. Doch ist das Thema relative jung und du solltest online Quellen kritisch hinterfragen (auch meine Seite) und zusätzliche Quellen lesen, um ein breiteres Bild zu Blockchain zu verschaffen.

Zu den Artikeln der Mainzer Sparkasse: